| name | llm-council |
| description | Deliberationsverfahren (Karpathys „LLM Council") für Entscheidungen mit echten Zielkonflikten — unabhängige Perspektiven erzeugen, sich gegenseitig kritisieren lassen, dann synthetisieren. Nutzen bei Strategie, Positionierung, Architektur, Preisgestaltung, Priorisierung, Design-Richtung. NICHT für Faktenfragen, Zusammenfassungen, Übersetzungen oder kleine Aufgaben. |
LLM Council
Kein Super-Prompt, sondern ein Qualitätssicherungs-Verfahren gegen die zwei
Kernschwächen von Sprachmodellen: Halluzination (plausibel, aber falsch)
und Confirmation Bias (das Modell übernimmt die im Prompt implizierte
Richtung, statt sie zu prüfen). Statt einer Meinung → mehrere unabhängige
Sichten, gegenseitige Kritik, begründete Synthese. Wie Peer Review.
Wann verwenden
Entscheidungen mit echten Trade-offs: Unternehmens-/Produktstrategie,
Positionierung, Architektur, größere Investitionen, Preisgestaltung,
Feature-Priorisierung, Design-Richtung.
Wann NICHT
Faktenfragen, Zusammenfassungen, Übersetzungen, Textentwürfe, kleine
Code-Aufgaben. Dort ist der Aufwand reiner Overkill.
Beste Form: mehrere unabhängige Agents
In Claude Code läuft das echt-parallel, nicht simuliert — das ist der Kern:
echte Unabhängigkeit schlägt Rollenspiel in einem Kontext.
- Phase 1 — Unabhängige Erstantworten. Mehrere Ratsmitglieder bekommen
exakt dieselbe Frage und sehen einander NICHT. Per
Agent-Tool mehrere
Agents parallel spawnen (oder das Workflow-Tool für die 3-Stufen-Pipeline).
Verhindert Gruppendenken.
- Phase 2 — Anonymisiertes Peer Review. Jedes Mitglied bekommt alle
anderen Antworten, aber anonym („Antwort A/B/C", nicht „GPT/Claude") — sonst
Marken-/Reihenfolge-Bias. Jedes beantwortet: Welche Antwort ist am stärksten?
Welche hat den größten blinden Fleck? Was haben ALLE übersehen?
- Phase 3 — Chairman. Ein weiteres Modell bekommt alle Erstantworten +
Bewertungen. Es beantwortet NICHT erneut die Frage, sondern gewichtet:
Gemeinsamkeiten, Widersprüche, starke Argumente → konsolidierte Empfehlung.
Wenn mehrere Anbieter verfügbar sind (GPT, Claude, Gemini, Grok via
OpenRouter o.ä.), erhöht das die Diversität zusätzlich.
Disziplin gegen Anchoring
- Formuliere jede Perspektive falsifizierbar: „Wenn X zutrifft, sagt das Y
voraus" — nicht bloß plausibel. Prüfbare Vorhersagen schlagen wohlklingende Meinungen.
- Erzeuge 3–5 gerankte Perspektiven und zeige dem User die Rangliste VOR
der Chairman-Synthese. Billiger Checkpoint: der User re-rankt oft sofort und
verhindert, dass sich die Synthese an der erstbesten Sicht festbeißt.
Vereinfachte Ein-Modell-Variante (5 Denkrollen)
Ohne mehrere Modelle: dasselbe Modell nimmt nacheinander fünf Denkmethoden
ein (keine Berufe). Weniger unabhängig, aber deutlich besser als eine Antwort.
- Skeptiker — „Warum scheitert das?" Risiken, Fehlannahmen, Schwachstellen.
- Grundsatz-Denker — „Ist das überhaupt das richtige Problem?"
- Visionär — „Welches Potenzial übersehen alle?"
- Außenstehender — kein Vorwissen: unklare Begriffe, implizite Annahmen,
blinde Flecken der Experten.
- Macher — „Was mache ich Montagmorgen konkret?"
Danach Meta-Kritik: Welche Argumentation war am stärksten? Welche Rolle
hatte den größten blinden Fleck? Was haben alle gemeinsam übersehen? — Diese
Selbstkritik ist der wertvollste Teil.
Output (Chairman-Synthese)
- Wo besteht Einigkeit?
- Wo gibt es echten Widerspruch?
- Was wurde fast vergessen?
- Empfehlung (kein Mittelwert, sondern gewichtet)
- Erster konkreter Schritt
Gotchas
- Rollen-Simulation in EINEM Modell ≠ echte Diversität — alle Antworten
stammen aus demselben Wissens-/Denkraum. Für die stärkste Wirkung echte
unabhängige Agents/Modelle nutzen.
- „Was haben alle übersehen?" ist die ergiebigste Frage — nicht weglassen.
- Anonymisieren im Peer Review, sonst bewertet das Modell Marken statt Inhalte.
- Der Mensch bleibt fachlicher Entscheider; die Synthese ist Entscheidungshilfe.
Paart sich mit [[landing-and-site-builder]] als Entscheidungs-Gate vor dem Bauen.