| name | pitch-demo-storytelling |
| description | Wenn du pitchst, eine Demo hältst oder mit einer Story oder einem Case verkaufst. Trigger, Pitch, Demo, Präsentation, Produktvorführung, Story erzählen, Case Study, Referenz, Verkaufspräsentation, Elevator Pitch, Pitch Deck, wie zeige ich mein Produkt, mein Pitch funktioniert nicht. |
Pitch, Demo und Storytelling
Hier geht es um das Handwerk, aus deiner Lösung eine Geschichte zu machen, der jemand zuhört, dem du sie verkaufen willst. Egal ob du im B2C in 15 Sekunden eine Identität verkaufst oder im B2B über drei Termine einen Business Case aufbaust. Die eine Leitlinie, die alles trägt, der Kunde ist der Held, nicht dein Produkt. Du bist der, der ihm den Weg zeigt.
Der häufigste Fehler im Startup-Pitch ist genau das verkehrt herum. Das Produkt spielt die Hauptrolle, der Kunde kommt kaum vor. Wenn dein Pitch gerade nicht zieht, fang hier an.
Die Story-Struktur, die jeder Pitch teilt
Pitch, Demo und Case haben dasselbe Skelett. Vier Schritte, in dieser Reihenfolge:
Problem. Konkret, in der Sprache des Kunden, nicht in deiner. Nicht „ineffiziente Prozesse“, sondern „Ihr Disponent ruft jeden Morgen 40-mal an, um Touren zu bestätigen.“
Stakes. Was kostet es, wenn es so bleibt? Geld, Zeit, Reputation, Schlaf. Hier entsteht die Dringlichkeit. Quantifizieren ja, dramatisieren nein, das fällt im DACH-Mittelstand sofort auf.
Lösung. Erst jetzt. Vor dem Schmerz wirkt jede Lösung wie eine Antwort auf eine Frage, die keiner gestellt hat.
Beleg und Transformation. Eine Zahl, eine Referenz, ein Vorher/Nachher. Ohne Beleg bleibt es eine Behauptung.
Faustregel aus der Praxis (unbelegt): Wenn dein Pitch in den ersten 30 Sekunden vom Problem handelt und nicht vom Produkt, hört man dir länger zu. Founder kippen reflexhaft zu früh ins Feature-Erzählen. Achte mal bei dir selbst drauf.
Warum die Reihenfolge wirkt (Schmerz vor Lösung, Stakes über Verlustaversion): siehe ../../referenzen/psychologie.md.
StoryBrand, der Kunde ist der Held
Donald Miller hat das in Building a StoryBrand (2017) auf den Punkt gebracht: Menschen kaufen nicht die beste Lösung, sondern die, die am wenigsten Energie zum Verstehen kostet. Verwirrung kostet Umsatz. Sein SB7-Raster ist eine längere Version der vier Schritte oben, und drei Stellen davon machen den Unterschied:
- Problem auf drei Ebenen. Die mittlere wird im B2B ständig vergessen. Extern: die Abrechnung dauert sechs Stunden pro Woche. Intern: der Praxisinhaber fühlt sich als schlechter Unternehmer, weil er abends noch tippt. Philosophisch: Ärzte sollten behandeln, nicht verwalten. Wer nur das externe Problem nennt, verkauft flacher.
- Guide, nicht Held. Du wirkst über zwei Hebel. Empathie („Wir wissen, wie nervig manuelle Abrechnung ist“) und Autorität (Zahlen, Referenzen, Logos). Beides knapp halten, sonst rückst du dich selbst wieder in die Hauptrolle.
- Plan. Drei einfache Schritte, die den Weg entstressen. „Konto verbinden, wir prüfen, Sie geben frei.“ Ein sichtbarer Plan senkt das gefühlte Risiko.
Der One-Liner-Test daraus: „Wir helfen [Held], der [Problem] hat, [Erfolg] zu erreichen.“ Beispiel, „Wir helfen Zahnarztpraxen, die Stunden mit Abrechnung verlieren, ihre Verwaltung zu automatisieren, damit sie wieder behandeln statt tippen.“ Kriegst du das nicht in einen Satz, ist der Pitch noch nicht fertig.
Die Demo, nach Schmerz statt nach Funktion
Eine Demo ist keine Produktführung. Der teuerste Fehler ist die Feature-Tour, jeden Knopf zeigen, weil man stolz drauf ist. Das ist die häufigste Demo-Sünde im Startup.
Erst Discovery, dann Demo. Ohne Vorgespräch weißt du nicht, was du zeigen sollst. Erst die Top-Pains erfragen (dafür gibt es discovery-bedarfsanalyse), dann eine Demo bauen, die genau die trifft. „Demo first“ ist fast immer schwächer.
Reihenfolge der Demo = Reihenfolge der Schmerzen, größter zuerst. Du zeigst nicht „Modul 1, 2, 3“, sondern „Sie sagten, das kostet Sie sechs Stunden. Schauen wir, wie das hier in zehn Minuten geht.“
Tell-Show-Tell (Peter Cohan, Great Demo!, 2005): vorher sagen, was du zeigst und warum es zählt; zeigen; danach den Bezug zum Schmerz nochmal verankern. So fragt sich niemand mittendrin „Warum sehe ich das gerade?“
Keine Überraschungen. Was du zeigst, sollte vorbereitet sein. Kein „das probiere ich mal eben aus“. Eine Demo, die abstürzt, kostet mehr Vertrauen als zehn Features gewinnen.
Konkret:
- Mit dem Ergebnis anfangen. „Am Ende sehen Sie diesen fertigen Report.“ Dann zeigen, wie man hinkommt.
- Echter Datensatz, kein „asdf Testkunde“. Lass die Demo einem Arbeitstag des Kunden folgen.
- Nicht mit Login, Einstellungen, Stammdaten beginnen. Das ist deine Reihenfolge, nicht seine.
- Mit dem Erfolgsbild enden, nicht im Einstellungsmenü. Der letzte Eindruck bleibt hängen (Peak-End, siehe
../../referenzen/psychologie.md).
Der Case, der verkauft
Format, das funktioniert: Situation, Problem, Lösung, Ergebnis mit Zahl. Genau diese Reihenfolge, weil der Leser sich darin selbst erkennt.
- Situation. Wer ist der Kunde, Branche und Größe, damit sich der Leser wiederfindet.
- Problem. Der Schmerz vor dem Kauf, in seinen Worten.
- Lösung. Was er mit euch gemacht hat. Kurz.
- Ergebnis mit Zahl. Das Entscheidende. „Abrechnungszeit von sechs auf 1,5 Stunden pro Woche gesenkt.“ Ohne Zahl ist es ein Testimonial, kein Case.
Nimm eine Zahl plus ein Zitat eines benannten Menschen mit Funktion, „Dr. Meyer, Praxisinhaberin, München“. Anonyme Cases überzeugen kaum, „ein Kunde aus der Branche“ ohne Namen und Zahl ist verschenkt. Im DACH-Mittelstand zählt der Name oft mehr als das Logo.
Pitch-Deck-Logik, kurz
Zwei brauchbare Skelette, beide rund zehn Slides. Als Gerüst nehmen, nicht als Pflicht.
- Sequoia („Writing a Business Plan“): Purpose in einem Satz, Problem, Lösung, Why Now, Markt, Wettbewerb, Geschäftsmodell, Team, Zahlen, Vision.
- YC-Seed-Deck (Aaron Harris): Problem, Lösung, Traction, Umsatz, Geschäftsmodell, Markt und Wachstum, Team. Knapper, weil Seed-Startups selten viele Daten haben.
Worauf es bei einem jungen Startup ankommt:
- Why Now. Der am meisten unterschätzte Slide. Warum ist genau jetzt der Moment, neue Regulierung, neue Technik, geändertes Verhalten? Ohne plausibles Why Now wirkt ein Startup beliebig.
- Traction. Bei Seed schlägt eine echte kleine Zahl jede große Prognose. „12 zahlende Kunden, 40 % Wachstum pro Monat“ ist stärker als ein Markt von fünf Milliarden.
Trenn den Investoren-Pitch vom Sales-Pitch. Investoren kaufen Wachstum und Markt, Kunden kaufen die Lösung ihres Schmerzes. Recycle das Deck nicht eins zu eins. Beim Sales-Pitch ist der „Ask“ der nächste Schritt, ein Pilot, eine Demo, ein Angebot, nicht „kaufen Sie“.
B2C vs. B2B
Im B2C verkaufst du eine Transformation der Identität, kurz und bildhaft, oft eine einzige Szene. Im B2B baust du eine Story, die dein interner Champion weitererzählen kann. Gib ihm die eine Zahl und den Einzeiler, mit denen er beim CFO besteht. Eine B2B-Demo richtet sich oft an mehrere Rollen gleichzeitig, sprich jede an („Für den Anwender heißt das …, für die IT …“).
| B2C | B2B |
|---|
| Story-Kern | Emotion, Identität, „so eine bin ich“ | Business Case, ROI, weniger Risiko |
| Länge | kurz, eine Szene, oft 15 Sekunden | länger, über mehrere Termine |
| Held | die Person, ihr Alltag | der Champion, der intern überzeugen muss |
| Publikum | eine Person, schnell, emotional | mehrere (Anwender, Budget, IT, Einkauf) |
| Beleg | Bewertungen, Social Proof, „10.000 Kund:innen“ | ROI-Rechnung, Referenzkunde, Pilotergebnis |
B2C-Beispiel (Du-Form, junge Brand): „Kennst du das, wenn der Kühlschrank voll ist und du trotzdem nicht weißt, was kochen? Genau dafür.“ Problem, Identifikation, Lösung in zwei Sätzen.
B2B-Beispiel (Sie-Form, Mittelstand): „Ihre Disposition telefoniert jeden Morgen Touren durch. Bei 40 Fahrzeugen sind das rund zwei Stunden täglich. Wir machen daraus zwei Minuten Freigabe. Ein Logistiker Ihrer Größe schaufelt damit eine halbe Stelle frei.“
Faustregel zur Anrede: B2C bei jungen Marken und Communities meist Du, B2B-Erstkontakt und Mittelstand meist Sie. Mehr dazu in ../../referenzen/deutsche-vertriebskultur.md.
Recht und Kultur (DACH)
Cases und Referenzen brauchen die Freigabe des genannten Kunden, bevor du Namen, Logo oder Zahlen öffentlich nutzt. Zahlen, Logos und Knappheit im Pitch müssen echt sein, sonst wird es nach UWG abmahnbar. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel anwaltlich prüfen. Für den rechtlichen Rahmen siehe ../../referenzen/recht-dach.md.
Schnell-Check vor dem Termin
- Ist der Kunde der Held, oder klatschst du dein Produkt hin?
- Kommt die Lösung nach dem Schmerz, nicht davor?
- Hast du einen Einzeiler, den dein Champion nachsprechen kann?
- Beginnt die Demo mit dem Ergebnis und folgt sie den Top-Pains?
- Hat jeder Case eine echte Zahl und einen echten Namen?
- Investoren-Pitch und Sales-Pitch sauber getrennt?
Verwandte Skills
discovery-bedarfsanalyse, die Pains erfragen, bevor du eine Demo baust.
vertriebspsychologie, warum Held-Story, Verlustaversion und Peak-End wirken.
einwandbehandlung, was tun, wenn nach dem Pitch der Einwand kommt.
founder-led-sales, wann Founder-led Sales und der eigene Pitch zusammengehören.
Quellen
- Donald Miller, Building a StoryBrand: Clarify Your Message So Customers Will Listen, HarperCollins Leadership, 2017 (SB7-Framework).
- Peter Cohan, Great Demo! How to Create and Execute Stunning Software Demonstrations, iUniverse, 2. Aufl. 2005 (Tell-Show-Tell, „no surprises“).
- Sequoia Capital, „Writing a Business Plan“: https://www.sequoiacap.com/article/writing-a-business-plan/
- Y Combinator / Aaron Harris, „How to build your seed round pitch deck“, YC Startup Library: https://www.ycombinator.com/library/2u-how-to-build-your-seed-round-pitch-deck