| name | semiotic-marker-sense |
| description | Erkennt Marker26-Muster in Dialogen, deutet Framings semiotisch und erzeugt ethisch begrenzte Reframings sowie Mikro-Interventionen. |
Wann verwenden
Diese Fähigkeit wird verwendet, wenn ein System (oder eine KI) in laufenden Gesprächen sprachliche Marker erkennen und nutzen soll, um:
- Kommunikationsdynamiken (z. B. Polarisierung, Kontrollnarrative, Bedürfnis-Sprache) sichtbar zu machen,
- die zugrunde liegenden semiotischen Funktionen (Index/Icon/Symbol; Signifikant/Signifikat) zu deuten,
- daraus Reaktionsoptionen abzuleiten (Reframing, Strukturierung, Präsenz-/Übungsimpulse),
- und das Ganze ethisch zu begrenzen (Transparenz, Autonomie, kein verdecktes Überreden).
Typische Trigger:
- „Erkenne Muster/Marker in diesem Chat“
- „Deute das Framing“
- „Gib mir ein Reframing, das öffnet statt eskaliert“
- „Nutze Marker26 (LeanDeep)“
Kernidee
Marker26 ist ein Katalog von YAML-Definitionen, die sprachliche Muster (meist Regex) mit einem Frame koppeln:
- Signal (Wort/Pattern) → Konzept → Pragmatik → Narrativ.
Diese Fähigkeit operationalisiert das als dialogischen Kreislauf:
- Detektion: Marker im Text finden (Signifikant-Form).
- Deutung: Marker als semiotische Funktion lesen (Signifikat/Interpretant; Index/Icon/Symbol).
- Intervention: Reaktion generieren, die das Framing bearbeitet (Reframing) und gewünschte Dynamiken stützt (z. B. Deeskalation, Autonomie, Fokus, Praxis).
- Audit: Prüfen, ob die Intervention als Manipulation gelesen werden könnte; ggf. entschärfen (Consent, Optionen, Transparenz).
Workflow / Anweisungen
1) Marker-Bibliothek laden
- Standard:
assets/sample_markers/ (kleine Demo-Auswahl, sofort lauffähig).
- Vollbetrieb:
marker26.zip entpacken und aus marker26/*.yaml laden.
Empfohlen:
- Sprachfilter:
de (oder gewünschte Sprache).
- Deduplizierung: Dateien mit „ 2“ Suffix prüfen; ggf. eine Version als kanonisch wählen.
2) Marker erkennen
- Suche Marker-Patterns im Text (Regex).
- Ein Marker gilt als aktiv, wenn seine Aktivierungslogik erfüllt ist:
- Default: „ANY 1“ (mindestens ein Pattern matcht).
- Optional:
threshold, activation_logic, oder Cluster-Logik (Ingredients).
Output der Detektion:
- Marker-ID
- gefundene Textspannen (Evidence)
- Frame (concept/pragmatics/narrative)
- Tags
- (falls vorhanden) Emits/Interpretant-Effekte (z. B. trust/conflict/deesc)
3) Semiotische Deutung (Saussure + Peirce)
Für jeden aktivierten Marker:
-
Saussure (dyadisch):
- Signifikant: der konkret gefundene Ausdruck (Span im Text)
- Signifikat: das im Marker-Frame beschriebene Konzept (z. B. „Absolutheit/Polarisierung“)
-
Peirce (triadisch):
- Icon: Ähnlichkeitsmarker (z. B. bildhafte Metaphern)
- Index: kausale/spurartige Marker (z. B. „du kontrollierst…“ als Konfliktindex)
- Symbol: konventionelle Marker (z. B. „OK“/„zur Kenntnis“ als Koordinationssymbol)
Ziel der Deutung: einen Framing-Status ableiten, z. B.:
- Polarisierung ↑ (Absolutisierer)
- Kontrolle/Intention-Zuschreibung ↑ (Manipulationsvorwurf)
- Bedürfnis/Abhängigkeit ↑ („ich brauche…“)
- Struktur-/Ordnungsmodus ↑ („Regel/Ordnung/Disziplin“)
- Fokus/Emotionsarbeit ↑ („lass uns beim Gefühl bleiben“)
4) Reaktionsdesign: „Bedeutungs-/Semiotik-Injektion“
„Injektion“ meint hier: gezielt ein Modul in die Antwort einzubauen, das eine gewünschte Bedeutungsrichtung anbietet.
Beispiel-Module (können kombiniert werden):
- Spür-Trigger (Präsenz): kurze, freiwillige Körper-/Aufmerksamkeitsabfrage („Wenn du magst…“)
- Struktur-Modul: Zusammenfassung + nächste Schritte (Ordnung ohne Starrheit)
- Affirmations-Index: Kooperationssignal (präzises, nicht-übergriffiges „verstanden / ja / ok“)
- Übungs-Symbol: konkrete Mini-Praxis (z. B. 10–20 Sekunden Atem-/Bodenkontakt)
5) Ethik-Check (Pflicht)
Vor Ausgabe:
- Transparenz: Kein verstecktes „Nudging“ ohne Kenntlichmachung.
- Autonomie: Übungen nur als Option anbieten; kein Druck („wenn du willst…“).
- Nicht-Pathologisieren: Marker sind Heuristiken, keine Diagnosen.
- Kontext: In Therapie-/Coaching-Kontexten klare Rollenklärung („kein Ersatz für Therapie“).
Wenn eine Intervention als manipulativ gelesen werden könnte:
- Formulierung entschärfen (z. B. „Integration“ statt „Injektion“),
- Alternativen anbieten,
- Einwilligung erfragen.
6) Bias- und Fehlerquellen (Pflicht-Hinweis)
Diese Fähigkeit ist anfällig für systematische Verzerrungen. Deshalb gilt:
- Confirmation Bias: Nur die Marker wahrnehmen, die die eigene Deutung stützen.
- Overconfidence Bias: Marker als „Beweis“ statt als Heuristik behandeln.
- Kultur-Bias: Viele Frames sind westlich/individualistisch kodiert; in anderen Kulturen können dieselben Signale andere Funktionen haben.
- Kontext-Bias: Ironie, Zitate, Rollenwechsel, Humor und Mehrdeutigkeiten erzeugen False Positives.
Mitigation:
- Evidence-first (Spans zeigen, nicht behaupten),
- mindestens eine Alternativdeutung anbieten,
- bei Unsicherheit nachfragen statt festlegen,
- jederzeitiges Opt-out respektieren („bitte keine Analyse/Übung“).
Ausgabeformat
A) Detektionsreport (kurz)
- Aktivierte Marker (Top 5–15 nach Relevanz)
- Evidence-Spans
- Frame (concept/pragmatics/narrative)
- Abgeleitete Framings (Kurzliste)
- Indizes (optional): trust/conflict/deesc (heuristisch)
B) Reaktionsvorschläge (1–3 Varianten)
Jede Variante:
- Ziel (z. B. „Deeskalation + Autonomie“)
- Eingesetzte Module (z. B. „Struktur + Autonomie-Reframe“)
- Antworttext (kurz, konkret)
- Ethik-Notiz (z. B. „Übung optional“)
Beispiele
Beispiel 1 – Absolutisierer + Kontrollvorwurf
Input:
„Du willst immer alles kontrollieren. Das ist nie anders.“
Erwartete Marker (Beispiele):
ATO_ABSOLUTIZER (immer/nie)
ATO_ACCUSATION_OF_CONTROL (kontrollieren/manipulieren)
Reaktion (Variante):
- Module: Struktur-Modul + Autonomie-Reframe
- Text:
- „Ich höre zwei starke Signale: ‚immer/nie‘ (Polarisierung) und Kontrollvorwurf. Damit wir es konkret kriegen: In welcher Situation hat es sich zuletzt kontrollierend angefühlt? Und was wäre für dich ein Minimalzeichen von Autonomie in genau dieser Situation?“
Beispiel 2 – Bedürfnis-Sprache + Fokus im Gefühl
Input:
„Ich brauche gerade deine ruhige Stimme. Lass uns beim Gefühl bleiben.“
Erwartete Marker:
ATO_NEED_TERM
ATO_STAY_IN_EMOTION
Reaktion (Variante):
- Module: Affirmations-Index + Spür-Trigger (optional)
- Text:
- „Verstanden. Wir bleiben beim Gefühl. Wenn du magst: Wo im Körper merkst du am deutlichsten, dass du gerade Halt brauchst – eher Brust, Bauch oder Schultern?“
Grenzen
- Regex-Marker sind nicht gleich Bedeutung: Ironie, Zitate, Kontextwechsel können False Positives erzeugen.
- Cluster-/SEM-Marker brauchen oft Fensterlogik; die Demo-Implementierung ist bewusst konservativ.
- Emotion-/Therapie-Anteile sind nur als Kommunikationsdesign gedacht, nicht als medizinische Behandlung.