| name | follow-up-nachfassen |
| description | Wenn der Nutzer dranbleiben will, ohne zu nerven, oder ein Deal oder Lead eingeschlafen ist. Trigger, Follow-up, nachfassen, nachhaken, Kunde meldet sich nicht, keine Antwort, Ghosting, dranbleiben, Wiedervorlage, eingeschlafener Lead, Reaktivierung, Break-up-Mail, Warenkorbabbruch, wann aufhören. |
Follow-up und Nachfassen
Hilft dir, an einem Lead oder Deal dranzubleiben, ohne aufdringlich zu werden. Für die B2B-Verfolgung über Wochen mit mehreren Stakeholdern und für B2C-Reaktivierung wie Warenkorbabbruch und schlafende Kontakte. Hier geht es ums Timing, um Mehrwert statt Druck, um Ghosting und um die Frage, wann du aufhörst. Den reinen Mailtext und ganze Sequenzen baust du im Nachbar-Skill, hier kümmern wir uns ums Nachfassen selbst.
Eine Zahl vorweg, weil sie alles erklärt: RAIN Group misst im Schnitt acht Kontakte bis zum ersten Termin mit einem neuen Lead, aber 44 % der Vertriebler hören nach dem ersten Versuch auf (RAIN Group, Top Performance in Sales Prospecting). Das ist die billigste Pipeline, die du je bekommst. Sie liegt zwischen Versuch zwei und Versuch acht, und kaum jemand hebt sie auf.
Zuerst: darf ich überhaupt nachfassen?
Bevor du eine Wiedervorlage anlegst, kläre den Kanal. Werbe-E-Mails brauchen in Deutschland grundsätzlich eine vorherige ausdrückliche Einwilligung, im B2C wie im B2B (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG). Telefonisch nachfassen darfst du im B2B nur bei mutmaßlicher Einwilligung mit echtem Sachbezug, im B2C nur nach ausdrücklicher Einwilligung. Details, Bestandskunden-Ausnahme und die ganze Mechanik stehen am Heimatort ../kaltakquise-recht-de/SKILL.md und in ../../referenzen/recht-dach.md.
Ein Punkt ist beim Nachfassen wichtiger als anderswo, weil du ja mehrfach anklopfst: Der Werbewiderspruch wirkt absolut (DSGVO Art. 21). Sagt jemand „bitte nicht mehr“, ist sofort und dauerhaft Schluss, Adresse auf die Sperrliste, kein „eine letzte Mail noch“. Ein ausdrückliches Nein beendet die Sequenz auf der Stelle. Das ist keine Rechtsberatung; im Zweifel anwaltlich prüfen.
Jedes Follow-up braucht einen eigenen Grund
„Ich wollte nur kurz nachhaken, ob Sie meine Mail gesehen haben“ ist die schwächste Mail im Vertrieb. Sie gibt dem Empfänger nichts und macht Druck, und genau das fühlt er. Der häufigste Fehler hier ist, das Nachhaken mit dem Wiederholen zu verwechseln. Du schickst nicht dieselbe Bitte nochmal, du bringst jedes Mal etwas Neues mit.
Vier Mehrwert-Varianten, die du rotieren kannst:
- Neuer Aufhänger. Ein passender Artikel, ein Branchenbenchmark, eine kurze Erkenntnis, die zu ihrem Thema passt.
- Beleg. Ein Mini-Case eines vergleichbaren Betriebs: „Ein Team in Ihrer Größe hat damit das Onboarding halbiert.“
- Reframe. Das Problem aus einem neuen Winkel zeigen, den sie noch nicht bedacht haben.
- Kurze Erinnerung mit Substanz. Ein Satz Kontext plus dieselbe einfache Frage. Sparsam einsetzen, nicht als Standard.
So fasst du nach (B2B, Sie, weil Erstkontakt im Mittelstand): „Hallo Frau Berger, eine Sache noch zu Ihrem Berlin-Launch: Ein Wettbewerber hatte beim Skalieren genau das Onboarding-Thema. Eine kurze Notiz dazu hängt an. Lohnt ein 15-Minuten-Blick?“
Timing und Kanäle
Die Kadenz und der Mix gehören ins Mail-Handwerk, deshalb hier nur das Nötige fürs Nachfassen: fünf bis acht Kontakte über zwei bis vier Wochen, der Abstand wächst nach jeder Stufe (Tag 0, Tag 2 bis 3, Tag 6 bis 7, Tag 12, Tag 20). Wechsle den Kanal, sonst klopfst du immer an dieselbe verstopfte Tür. Outreach.io empfiehlt, dass höchstens die Hälfte der Schritte Mails sind, der Rest LinkedIn und Anruf. Die volle Logik steht in ../email-sequenzen/SKILL.md.
Fürs Nachfassen zählt vor allem: zu große Lücken töten. Drei Wochen Funkstille, und du musst dich neu vorstellen. Wer aber innerhalb von ein, zwei Tagen nach einem Termin oder einer Demo nachfasst, trifft den Kontakt, solange das Gespräch noch warm ist.
Ghosting-Recovery: erst geantwortet, dann verstummt
Das ist etwas anderes als ein kalter Kontakt, der nie reagiert hat. Hier gab es schon ein Ja, ein Interesse, vielleicht eine Demo. Dann Stille. Häufig steckt kein Desinteresse dahinter, sondern Stress, ein internes Thema oder ein anderer Brand, der gerade brennt. Du darfst hier konkreter und niedrigschwelliger anstoßen.
Der wirksamste Anstoß gibt einen ehrenhaften Ausweg (B2B, Sie): „Hallo Frau Berger, bei Ihnen gerade viel los? Soll ich in vier Wochen nochmal anklopfen, oder passt es im Moment einfach nicht?“ Die zweite Hälfte der Frage ist der Trick. Sie macht ein Nein leicht und holt erstaunlich oft eine ehrliche Antwort, statt den Kontakt in der Schwebe zu lassen.
Genauso hilfreich ist, dem Schweigen eine Brücke zu bauen: einen klaren nächsten Schritt vorschlagen, den der andere nur bestätigen muss. „Ich blocke uns Donnerstag 11 Uhr, sagen Sie kurz ab, falls es nicht passt“ senkt die Hürde mehr als „Wann hätten Sie Zeit?“. Bei längeren B2B-Deals heißt Ghosting oft, dass dein Ansprechpartner intern gegen eine Wand läuft. Dann brauchst du eine zweite Leitung ins Konto, mehr dazu unten.
Die Break-up-Mail
Der letzte Kontakt einer Sequenz ist oft der wirksamste. Die Break-up-Mail nimmt den Druck weg und löst eine sanfte Verlustaversion aus: Du schließt die Tür höflich, und genau dann fällt manchen ein, dass sie sie offen halten wollten. Warum das wirkt, steht in ../vertriebspsychologie/SKILL.md.
So sieht sie aus (B2B, Sie): „Hallo Herr Klein, ich melde mich nicht weiter, ich will Sie nicht zuspammen. Falls das Thema Onboarding später relevant wird, schreiben Sie mir gern. Ich wünsche Ihnen einen guten Launch.“
Kein verstecktes Pitch, keine Schuldzuweisung, kein „schade, dass Sie sich nicht gemeldet haben“. Genau die Leichtigkeit produziert auffällig oft noch eine Antwort der Sorte „Sorry, war im Stress, lass uns reden“. Das ist die letzte echte Chance ohne Aufdringlichkeit. Schreib die Break-up-Mail ehrlich, sie ist keine Drohung mit verkappter Frist.
Wann du aufhörst
Nach fünf bis acht Kontakten ohne jede Reaktion stoppst du. Jeder weitere Versuch bringt fast nichts mehr und kostet deinen Ruf und die Zustellbarkeit deiner Domain. Ein klares Nein ist mehr wert als ein ewiges Vielleicht, denn es macht deine Pipeline ehrlich und gibt dir die Zeit zurück. Sofort und endgültig Schluss ist außerdem Pflicht bei einem ausdrücklichen Nein oder einem Werbewiderspruch (Art. 21 DSGVO), dann auf die Sperrliste.
Aufhören heißt nicht wegwerfen. Ein Lead, der heute nicht kauft, kann in sechs Monaten passen, wenn ein Trigger eintritt (Finanzierung, neue Stelle, neuer Standort). Leg ihn auf Wiedervorlage mit Anlass statt mit Datum, dann hast du beim nächsten Mal wieder einen echten Aufhänger und stehst nicht als der Verkäufer da, der seit einem Jahr alle zwei Wochen dieselbe Frage stellt.
B2B: den Deal über Wochen verfolgen
Im B2B verfolgst du selten eine Person, sondern ein Konto. Schläft der Deal ein, liegt das oft nicht an deinem Ansprechpartner, sondern am fehlenden internen Konsens (siehe ../b2b-buying-center/SKILL.md). Drei Hebel:
- Multi-Threading. Wenn dein Kontakt verstummt, baue eine zweite Leitung auf, etwa zum fachlichen Nutzer oder zum wirtschaftlichen Entscheider. Single-Threaded-Deals sterben, sobald eine Person im Urlaub ist oder das Team wechselt.
- Den Champion bewaffnen. Oft schweigt jemand, weil er intern nicht weiterkommt. Gib ihm eine kurze Notiz oder einen Mini-Business-Case, mit dem er bei seinen Leuten für dich verkaufen kann.
- Den Paper Process früh anstoßen. In DACH bremsen Datenschutzfreigabe, Betriebsrat und IT-Sicherheit Deals um Monate. Frag früh „Wer muss intern noch zustimmen, und wie läuft das bei Ihnen?“, sonst hältst du ein mündliches Ja für einen Abschluss, der noch Wochen braucht.
B2C: Reaktivierung und Warenkorb
Im B2C fasst du nicht von Hand nach, sondern getriggert und automatisiert über viele Empfänger, rechtlich gedeckt durch das Opt-in (Register Du, weil junge Marke und Community).
- Warenkorbabbruch. Die erste Erinnerung kommt nach ein bis zwei Stunden, eine zweite nach rund einem Tag. Anlass ist konkret: „Dein Warenkorb wartet noch.“ Einen Rabatt erst in der zweiten oder dritten Mail, sonst trainierst du die Leute darauf, immer abzubrechen.
- Browse-Abandonment. Jemand hat ein Produkt angesehen, aber nichts in den Warenkorb gelegt. Ein sanfter Hinweis plus echter Social Proof wirkt besser als ein Rabatt.
- Reaktivierung schlafender Kontakte. Hat jemand lange nicht reagiert, schick eine ehrliche Win-back-Mail: „Sollen wir dir weiter schreiben?“. Das ist die B2C-Break-up-Mail. Wer nicht klickt, kommt aus dem aktiven Verteiler, das hält deine Zustellbarkeit sauber. Abmeldelink in jeder Mail, jeder Widerspruch sofort respektiert.
Echte Frist statt Fake-Knappheit: „Dein Code läuft in 48 Stunden aus“ nur, wenn er das wirklich tut. Erfundene Countdown-Timer sind abmahnbar (§ 5 UWG), und die ethische Leitplanke gilt sowieso.
B2C vs. B2B
Im B2B fasst du einen Menschen, oft mehrere, von Hand nach, über Wochen, mit recherchiertem Mehrwert je Kontakt, und der Engpass ist meist interner Konsens. Im B2C reagierst du automatisiert auf ein Verhalten, der Engpass ist Reibung und Timing, und der Werbewiderspruch muss technisch sauber greifen. Kurz: B2B verfolgt einen Deal, B2C reaktiviert ein Verhalten.
Verwandte Skills
../email-sequenzen/SKILL.md: der konkrete Mailtext, Betreffzeilen, Kadenz und Multichannel-Mix.
../kaltakquise-recht-de/SKILL.md: was du per Mail, Telefon und LinkedIn überhaupt darfst (UWG, DSGVO, Werbewiderspruch).
../b2b-buying-center/SKILL.md: Multi-Threading, Champion enablen und Paper Process, wenn ein B2B-Deal stockt.
../vertriebspsychologie/SKILL.md: warum die Break-up-Mail über Verlustaversion noch eine Antwort holt.
Quellen
- RAIN Group, Top Performance in Sales Prospecting Research (8 Touchpoints bis Erstkontakt, 44 % brechen nach Versuch 1 ab), rainsalestraining.com.
- Outreach.io, Email cadence best practices (höchstens ~50 % der Schritte als E-Mail, Rest LinkedIn und Anruf).
- § 7 UWG (Abs. 2 und 3) und DSGVO Art. 21 (Werbewiderspruch), gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__7.html. Details in
../../referenzen/recht-dach.md.
- The Challenger Customer (Adamson, Dixon, Spenner, Toman, 2015), Portfolio/Penguin: Multi-Stakeholder und Champion. Details in
../../referenzen/methoden.md.