| name | allgemein |
| description | Adaptiver Einstieg, Schnelltriage und Workflow-Routing im DFG-Förderantrag-Plugin. Führt Anfänger mit maximal sechs Fragen, fordert Profis mit Go/No-Go und Reviewer-Risiken, klärt Forschungsfrage, Programmroute, Antragssumme, Tempo, Vorarbeiten, Finanzbedarf, Ethik/Forschungsdaten und Spezialskills. |
DFG-Förderantrag — Allgemein
Worum geht es
Dieser Skill ist die Eingangstür für jedes DFG-Mandat. Er klärt in wenigen Schritten, welche Programmschiene tatsächlich passt, welche Spezialskills nacheinander aufzurufen sind und wo der Antrag formal scheitern könnte, bevor inhaltlich gearbeitet wird. Ziel ist nicht Lehrbuchtreue, sondern ein arbeitsfähiger Antragspfad.
Faustregel der alten Hasen: Ein DFG-Antrag steht und fällt mit drei Dingen — der einen prüfbaren Hypothese, dem auf den Antrag zugeschnittenen Stand der Forschung und den eigenen Vorarbeiten in einschlägigen Journalen. Wenn auch nur eines davon wackelt, hilft kein noch so schöner Finanzplan.
Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen diesen Skill, wenn Sie nicht sicher sind, welche Programmschiene passt, wenn ein Exposé, CV, Budget oder Gutachten lose im Raum steht, oder wenn das Mandat frisch ist und der Antragsteller eine Empfehlung über Tempo und Größe braucht.
Adaptiver Modus
Zu Beginn still einschätzen, wie erfahren die Nutzerseite ist, und den Ton danach wählen:
| Modus | Erkennbar an | Arbeitsweise |
|---|
| Geführter Modus | "Ich habe noch nie DFG beantragt", lose Idee, keine Summe | maximal sechs Fragen, Fachwörter kurz erklären, sofort eine machbare Mini-Roadmap liefern |
| Normalmodus | Exposé/CV/Budget liegt vor | Triage, Programmrouting, Lückenliste, nächste Skills |
| Profi-Modus | fertiger Entwurf, alte Gutachten, GEPRIS-Historie | nicht erklären, sondern schonungslos priorisieren: Go/No-Go, Kürzungsrisiko, Reviewer-Angriffe |
| Rettungsmodus | Ablehnung, Fristdruck, unklare Rückmeldung | Kritik extrahieren, Reparaturplan, Wiedereinreichungsstrategie |
Wenn der Nutzer unsicher oder fachfremd ist, nicht belehren. Aus chaotischen Stichpunkten eine erste Forschungsfrage, ein Minimalvorhaben und eine Unterlagenliste bauen. Wenn der Nutzer sehr gut ist, keine Grundlagen wiederholen, sondern direkt die strategischen Schwächen und die bessere Route nennen.
| Punkt | Frage |
|---|
| Forschungsfrage | Was ist die eine Frage, die nach dem Projekt anders beantwortbar ist? |
| Disziplin | Welche DFG-Fachkollegien oder Teilfächer liegen nahe? |
| Antragstellende | Berufungsfähigkeit, Promotion, Institution, Vorarbeiten, Publikationsprofil? |
| Summe | Grob unter 200.000 Euro, darüber, oder Koselleck-Format ab 500.000 Euro? |
| Tempo | Schnell entscheidbarer Antrag oder großer strategischer Antrag? |
| Risiko | Methodisches Risiko, Datenrisiko, Ethik, Datenschutz, Tier/Mensch, KI? |
| Output | Projektskizze, Vollantrag, Finanzplan, Reviewer-Red-Team, Wiedereinreichung? |
Wenn der Nutzer nur Material hochlädt: Material erkennen, Förderroute vermuten, Formalia nennen, eine nächste Aktion anbieten und maximal eine Rückfrage stellen, wenn sonst die falsche Programmschiene droht.
Programm- bzw. Sachrahmen
DFG-Standardrouten und ihre typischen Adressaten:
- Sachbeihilfe — themenoffene Einzelförderung, jederzeit einreichbar, das Brot-und-Butter-Programm.
- Eigene Stelle (Modul innerhalb Sachbeihilfe) — wenn Antragsteller selbst keine Dauerstelle hat.
- Walter Benjamin — Postdoc-Phase, eigene Stelle, oft mit Auslandsaufenthalt.
- Emmy Noether — Nachwuchsgruppenleitung für frühe Karrierephase, 6 Jahre.
- Heisenberg-Programm — Habilitierte ohne unbefristete Professur.
- Reinhart-Koselleck-Projekt — 500k bis 1.25m EUR, 5 Jahre, etablierte Forscher mit positivem Risiko.
- Schwerpunktprogramm (SPP) — koordinierte Verbundprogramme, lange Vorlaufzeit.
- Sonderforschungsbereich (SFB) — institutionelle Großverbünde.
Erste grobe Zuordnung nach Karrierestand (Faustregel, nicht Dogma):
| Karrierestand | Naheliegende Schiene |
|---|
| Promovierende vor Abschluss | nicht antragsberechtigt; lehnt Skill freundlich ab |
| Promovierte ohne Stelle | Walter Benjamin |
| Postdoc mit Profil | Emmy Noether oder Sachbeihilfe mit Eigener Stelle |
| Erstberufung | Sachbeihilfe; Heisenberg parallel prüfen |
| Etablierte Professur | Sachbeihilfe; bei Risiko-Vision Koselleck |
| Über Verbünde denken | SPP/SFB — andere Vorlaufzeiten |
Praxisleitfaden
Was schnelle Genehmigung produziert. Eine einzige, scharf formulierte Forschungsfrage. Ein Antrag mit einer Hypothese ist leichter zu lesen als einer mit fünf. Drei methodische Standbeine, die sich gegenseitig validieren (Triangulation), sind besser als ein methodisches Einzelkunststück. Vorarbeiten in Journalen, die die Begutachterinnen selbst lesen. Begutachter-Cluster: Wer kommt als Gutachter realistisch in Frage? Drei Namen vorab überlegen, ihre Vorarbeiten kennen und (positiv und korrekt) zitieren — niemand wird gern übergangen.
Was Reviewer triggert (Killersätze im Gutachten). "Stand der Forschung lückenhaft" — fast immer fatal. "Methodisches Risiko nicht adressiert" — repariert man nur durch ein eigenes Risikokapitel mit Plan B. "Salami-Slicing" (Arbeitsprogramm wirkt wie zerteiltes Restprojekt) — entschärfen durch eine sichtbare übergeordnete Erkenntnislogik. "Personalplanung unrealistisch" — entschärft sich durch klare Stellen-zu-AP-Zuordnung statt diffuser "3 WMA für 3 Arbeitspakete".
Zeitbudget-Erfahrung. Ein erstmaliger Sachbeihilfeantrag braucht typisch 6 bis 10 Wochen aktive Arbeitszeit, verteilt auf 3 bis 4 Monate Vorlauf. Wiedereinreichungen 3 bis 5 Wochen. Koselleck mindestens 3 Monate aktiv. Wer "in zwei Wochen" antragsreif sein will, sollte gewarnt sein.
Vorbereitung mit der Geschäftsstelle. Die DFG-Fachgebietsleitung (Programmverantwortliche in der DFG-Geschäftsstelle) sollte vor Einreichung kontaktiert werden — sie geben programmatische Hinweise, weisen auf passende SPPs oder laufende Verfahren hin, und können bei Grenzfällen die Programmroute klären. Telefonisch, nicht per E-Mail.
Trade-off-Matrix
| Trade-off | Pfad A | Pfad B | Empfehlung |
|---|
| Schnell vs. groß | Kleinantrag unter 200k | Großprojekt über 500k | Bei frischer Vorarbeit Pfad A; etabliert mit Vision Pfad B |
| Erstantrag vs. Fortsetzung | Neuantrag mit voller Begründung | Fortsetzungsantrag, 6 Monate vor Mittelende | Fortsetzung nur, wenn Erstprojekt sichtbar Output gebracht hat |
| Solo vs. Kooperation | Einzelantrag | Kooperationsmodul oder SPP-Andocken | Solo bei klarer Profilbildung, Kooperation bei methodischer Notwendigkeit |
| Eigene Stelle vs. ohne | Modul Eigene Stelle | Antragsteller hat Dauerstelle | Eigene Stelle nur bei nachgewiesenem Stellenfehlbedarf |
| Tempo vs. Vorlauf-Beratung | Schnelleinreichung | Beratungsschleife mit DFG-Geschäftsstelle | Bei Erstantrag immer Beratungsschleife |
Schritt für Schritt
- Material sichten: CV, Publikationsliste, Exposé, Vorgutachten, Förderhistorie GEPRIS.
- Programmroute vermuten: Karrierestand plus Forschungsfrage plus Summe ergibt die naheliegende Schiene.
- Vorprüfung Antragsberechtigung: Promotion abgeschlossen? Institutionell verankert? Frühere DFG-Projekte korrekt abgeschlossen?
- Skill-Routing aktivieren (siehe Tabelle unten).
- Erstskizze in drei Sätzen: Frage — Hypothese — Erkenntnisgewinn.
- Zeitplan grob aufsetzen: Einreichtermin, Vorlauf, Reviewer-Red-Team-Slot.
- Geschäftsstelle anrufen (durch Antragsteller, nicht durch Sie).
Sofort-Hilfe bei schwachem Input
Wenn nur eine Idee vorliegt, trotzdem arbeiten. Nicht sagen "Bitte reichen Sie ein vollständiges Exposé ein", sondern eine erste Struktur erzeugen:
- Idee in Forschungsfrage übersetzen: aus "Wir wollen X erforschen" wird eine prüfbare Frage.
- Minimalprojekt bauen: Welche kleinste Förderung beantwortet die Frage publikationsfähig?
- Idealprojekt bauen: Welche Ausbauvariante wäre wissenschaftlich stärker, aber riskanter?
- Lücken benennen: Vorarbeiten, Datenzugang, Ethik, Methodenkompetenz, Finanzpositionen.
- Nächste 10 Arbeitstage planen: nicht abstrakt, sondern mit konkreten Text- und Datenlieferungen.
Mustertexte / Vorlagen
Erste Antwort an Antragsteller (Vorlage):
"Kurzbild nach Sichtung Ihrer Unterlagen: Vermutete Programmschiene [Sachbeihilfe / Walter Benjamin / Koselleck]. Antragssumme grob [Range]. Stärken: [Vorarbeit X, Methodenprofil Y]. Risiko: [Vorarbeitenlücke, Methodenfremdheit, Stellenfrage]. Fehlende Unterlagen: [CV aktuell, GEPRIS-Auszug, Ethikvotum-Stand]. Nächster Schritt: [Skizze in drei Sätzen / Modulmix prüfen / Red-Team]. Bitte vor Einreichung mit der zuständigen DFG-Fachgebietsleitung telefonieren."
Drei-Satz-Skizze (Vorlage, vor jedem Antrag verlangen):
"Forschungsfrage: [Eine Frage, falsifizierbar formuliert]. Methodischer Zugang: [Methode 1 plus Methode 2 zur Triangulation]. Erkenntnisgewinn nach 36 Monaten: [Welche These ist dann bestätigt oder widerlegt, und was wäre damit für das Feld gewonnen]."
Typische Fehler
- "Mein Projekt ist interdisziplinär" als Selbstlob ohne methodische Konsequenz — Reviewer streichen das.
- Programmverwechslung: Walter Benjamin als "kleine Sachbeihilfe" benutzen.
- 100.000-Euro-Schwelle aus älterer DFG-Praxis weiterschreiben — aktuell ist 200.000 Euro die einschlägige Marke für die Möglichkeit der Ein-Gutachter-Begutachtung (siehe DFG-FAQ, vom Antragsteller live prüfen).
- "Vorarbeiten" durch Konferenzbeiträge belegen — Reviewer wollen referierte Volltexte.
- Antragsteller nennt sich "international vernetzt" ohne konkrete Kooperationsschreiben.
Output
Kurzbild
- Vermutete Programmschiene:
- Antragssumme/Tempo:
- Stärken:
- Risiko:
- Fehlende Unterlagen:
Intelligenzschicht
- Anfänger-Erklärung in drei Sätzen:
- Profi-Befund in drei harten Punkten:
- Schnellster förderfähiger Pfad:
- Wissenschaftlich beste, aber langsamere Alternative:
- Eine Sache, die vor Einreichung zwingend besser werden muss:
Nächster Workflow
- Programmroute und Schwellen prüfen.
- Antragsthese in drei Sätzen schärfen.
- Arbeitsprogramm und Finanzplan mit Reviewer-Brille bauen.
Passende Skills
| Skill | Warum jetzt? | Output |
|---|
dfg-foerderstrategie-schnell-oder-gross | Programmroute unklar | Routing-Empfehlung |
dfg-sachbeihilfe-elan-formalia | Standardroute Sachbeihilfe | elan-Workflow |
dfg-bis-200k-begutachtung-light | Schlanker Antrag, schneller Bescheid | Kompaktantrag |
dfg-koselleck-500k-125m | Etabliert, Risiko-Vision | Koselleck-Skizze |
dfg-projektbeschreibung-arbeitsprogramm | Textarbeit Projektbeschreibung | Vollgliederung |
dfg-finanzplan-module-personal-geraete | Budget | Finanzplan |
dfg-ki-ethik-forschungsdaten | KI/Ethik/DMP | Anlagen und Voten |
dfg-reviewer-red-team | vor Einreichung | Schwächenliste |
dfg-wiedereinreichung-nach-ablehnung | Ablehnung liegt vor | Stellungnahme |
Querverweise
- Routing-Skill:
dfg-foerderstrategie-schnell-oder-gross
- Methodikleitlinien:
CLAUDE.md (Zitierweise, Quellenhygiene)
- DFG-Quellen:
references/dfg-quellen-und-schwellen.md
Quellen Stand 05/2026
Für Schwellen, Fristen, Vordrucke und Antragsberechtigung immer die Referenz references/dfg-quellen-und-schwellen.md und danach die verlinkte DFG-Quelle prüfen. Verbindlich nur:
- DFG-Programmseite Sachbeihilfe: dfg.de
- DFG-FAQ Begutachtung: dfg.de
- DFG-Hinweise Antragstellung: dfg.de
- elan-Portal: elan.dfg.de
- GEPRIS: gepris.dfg.de
Keine alten 100.000-Euro-Schwellen ungeprüft fortschreiben. Vor Empfehlung Verfahrensordnung des Antragsstichtags konsultieren.