| name | rollen-und-harness-wahl |
| description | Wählt zwischen einfachem, qualifiziertem, Zwischen-, Ausbildungs- und Praktikumszeugnis und ordnet die richtige Rechtsgrundlage zu. Liefert eine knappe Inhalts- und Formmatrix, bevor der passende Spezialskill den Entwurf übernimmt. |
Rollen und Harness-Wahl
Ziel
Den passenden Arbeitsmodus wählen, damit Rechtsgrundlage, Pflichtinhalt, Tempus und Bewertungsachsen zur Zeugnisart passen.
Eingang — was wird abgefragt
- Liegt eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses vor oder läuft es noch?
- Handelt es sich um ein Ausbildungsverhältnis nach BBiG?
- Hat der Arbeitnehmer ausdrücklich ein qualifiziertes Zeugnis verlangt oder genügt ein einfaches?
- Handelt es sich um ein Pflichtpraktikum, ein freiwilliges Arbeitsverhältnis oder nur um einen Tätigkeitsnachweis?
Harness-Übersicht
| Arbeitsmodus | Rechtsgrundlage | Pflichtinhalt | Leistung/Verhalten |
|---|
| Qualifiziertes Zeugnis | Paragraf 109 Abs. 1 S. 3 GewO | Art, Dauer, Leistung und Verhalten | auf Verlangen |
| Einfaches Zeugnis | Paragraf 109 Abs. 1 S. 1-2 GewO | Art und Dauer der Tätigkeit | nein |
| Zwischenzeugnis | vertragliche Nebenpflicht oder Tarifregelung | stichtagsbezogene Beurteilung bei triftigem Grund | nach Zweck und Verlangen |
| Ausbildungszeugnis | Paragraf 16 BBiG | Ausbildungsberuf, -dauer, erworbene Fertigkeiten; Leistung/Verhalten nur auf Verlangen | auf Verlangen |
| Praktikumsnachweis oder -zeugnis | abhängig vom Status und Vertrag | Zeitraum, Einsatz und Aufgaben; Bewertung nur nach Rechtsgrund und Auftrag | abhängig vom Status |
Generier-Regeln
- Qualifiziertes Zeugnis: immer Fließtext, nie Ankreuzschema (BAG, Urteil v. 27.04.2021 – 9 AZR 262/20).
- Zwischenzeugnis: Präsens verwenden, kein Vergangenheitstempus; keine Beendigungsaussage.
- Ausbildungszeugnis: Art, Dauer, Ziel sowie erworbene Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vollständig erfassen; Berufsschulnoten nur aus verifizierter Unterlage und auf Wunsch.
- Praktikumszeugnis: Rechtsstatus zuerst bestimmen; nicht jedes Pflichtpraktikum fällt unter Paragraf 109 GewO.
Beispiele
Wählt ein Mitarbeiter nach neun Jahren ein qualifiziertes Zeugnis, wird der Modus „qualifiziert" aktiviert, die Rollenchronologie erfasst und eine freiwillige Schlussformel nur als Gestaltungsoption angeboten.
Verlangt ein Auszubildender nach bestandener Prüfung nur den gesetzlichen Grundinhalt, werden dennoch Art, Dauer und Ziel sowie die erworbenen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten aufgenommen; Leistung und Verhalten bleiben ohne Verlangen außen vor.
Stolpersteine
- Arbeitgeber erteilt von sich aus nur ein einfaches Zeugnis; Arbeitnehmer hat aber nach Paragraf 109 Abs. 1 S. 3 GewO Anspruch auf das qualifizierte — Generator muss darauf hinweisen.
- Zwischenzeugnis darf keine Beendigungsformulierung enthalten, sonst signalisiert es das Ende des Arbeitsverhältnisses.
- Die Wahl des Arbeitsmodus beeinflusst Pflichtinhalt und Tempus; ein Wechsel erfordert eine vollständige Konsistenzprüfung.
Anti-Muster
- Für ein Ausbildungszeugnis dasselbe Template wie für ein Führungskräfte-Zeugnis verwenden.
- Ein Zwischenzeugnis mit Schlussformel („Wir bedauern es ...") versehen, die das Ende andeutet.
- Praktikumszeugnis ohne Hinweis erstellen, dass kein gesetzlicher Anspruch auf Bewertung besteht.
Rechtsprechungsanker
- BAG, Urteil vom 20.05.2020 - 7 AZR 100/19, Rn. 42: Das Zwischenzeugnis setzt ohne Tarifregelung einen triftigen Grund voraus.
- BAG, Urteil vom 27.04.2021 - 9 AZR 262/20, Rn. 10 bis 20: Das qualifizierte Zeugnis ist individuell im Fließtext zu verfassen.
- BAG, Urteil vom 25.01.2022 - 9 AZR 146/21, Rn. 12 bis 24: Dankes- und Wunschformeln gehören nicht zum zwingenden Inhalt nach Paragraf 109 GewO.