| name | dfg-koselleck-500k-125m |
| description | Reinhart-Koselleck-Projekt prüfen und entwerfen: 500.000 Euro bis 1.250.000 Euro, 5 Jahre, Stufen von 250.000 Euro, außergewöhnliches Profil, positives Risiko, Vertrauensvorschuss, Abgrenzung zur Sachbeihilfe. |
Reinhart-Koselleck-Check
Worum geht es
Das Reinhart-Koselleck-Projekt ist die DFG-Schiene für etablierte Forscher mit außergewöhnlich risikoreichen, visionären Vorhaben. Volumen: 500.000 bis 1.250.000 Euro, in Stufen von 250.000 Euro, Laufzeit 5 Jahre. Antragsteller müssen ein außergewöhnliches wissenschaftliches Profil und einen Vertrauensvorschuss vorweisen können — die Begutachterinnen sollen dem Vorhaben Erfolg zutrauen, auch wenn nicht jeder Arbeitsschritt detailliert geplant ist.
Alte-Hasen-Faustregel: Koselleck ist kein "größerer Sachbeihilfeantrag mit Etikett". Wer das nicht versteht, wird abgelehnt mit dem Hinweis "passt eher in die Sachbeihilfe" — und hat dann monatelang verloren. Faustregel: Wenn Sie ein detailliertes Arbeitsprogramm mit harten Meilensteinen aufstellen können und wollen, sind Sie in der Sachbeihilfe. Wenn Sie ein Vorhaben verfolgen, das Sie selbst nicht fünf Jahre durchplanen können, weil es zu visionär ist — dann Koselleck.
Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen diesen Skill, wenn ein etablierter Antragsteller einen risikoreichen Großantrag plant, oder wenn aus einer Sachbeihilfe-Idee plötzlich die Frage aufkommt: "Wäre das vielleicht Koselleck?".
Kaltstartfragen:
- Profil: Welche sichtbaren Belege gibt es für außergewöhnliche wissenschaftliche Eigenständigkeit? DFG-Projektzyklen, Spitzenpublikationen, Preise, Berufungen und internationale Resonanz sind Indizien, keine starre Checkliste.
- Sichtbarkeit: Spitzenpublikationen, Berufungen, Editorships, internationale Preise, Keynote-Einladungen?
- Vorhaben: Was ist das eine visionäre Ziel? Welches Paradigma soll verschoben werden?
- Risiko-Logik: Ist das Risiko wissenschaftlich produktiv (auch ein Scheitern bringt Erkenntnis) oder nur Management-Risiko (Personal könnte fehlen, Gerät könnte ausfallen)?
- Warum nicht Sachbeihilfe? Wenn die Antwort lautet "weil ich mehr Geld will" — dann doch Sachbeihilfe.
- Vorprojekte: Welche DFG- oder vergleichbaren Projekte mit klarem Abschlussbericht und sichtbarem Output gibt es?
Programm- bzw. Sachrahmen
Finanzrahmen.
- 500.000, 750.000, 1.000.000 oder 1.250.000 Euro — nur diese vier Stufen, jeweils in 250.000-Schritten.
- Laufzeit: 5 Jahre fest. Keine "Sachbeihilfe-Standard 3 Jahre" möglich.
- Budgetpositionen: Personal (typisch der größte Block), Geräte, Verbrauchsmaterial, Reisen, Sonstiges, Publikation, Eigene Stelle ist normalerweise nicht Modul (Antragsteller hat Stelle).
Antragsvoraussetzungen.
- Berufene oder berufbare herausragende Wissenschaftlerin / Wissenschaftler.
- Außergewöhnliche bisherige Leistung — sichtbar in Publikationsprofil, internationaler Resonanz, Preisen.
- Sichtbarer Track Record, der den besonderen Vertrauensvorschuss trägt. Mehrere erfolgreich abgeschlossene DFG-Projekte sind ein starkes Praxisindiz, aber nicht als formales Muss behaupten, solange die aktuelle DFG-Quelle das nicht verlangt.
- Projekt soll innovativ und positiv risikobehaftet sein und gerade nicht gut in das normale DFG-Verfahren passen.
Vertrauensvorschuss. Im Unterschied zur Sachbeihilfe wird kein detailliertes Arbeitsprogramm mit harten Meilensteinen verlangt. Die Begutachterinnen sollen aufgrund des Profils und der Vision Vertrauen entwickeln — daher ist die Antragstellerseite (Profil, Vorarbeiten, Track Record) viel wichtiger als bei Sachbeihilfe.
Praxisleitfaden
Was schnelle Genehmigung produziert.
- Eine echte Vision in einem Satz. Reviewer müssen die "Paradigmenverschiebung" oder das "neue Forschungsfeld" in drei Sekunden verstehen.
- Track Record als Säule des Antrags. Profilseite mit eigener Forschungslinie über 10 bis 15 Jahre — Reviewer suchen Konsistenz und Aufstieg.
- Risiko-Begründung explizit und produktiv. "Wenn die Hypothese H1 widerlegt wird, gewinnt das Feld eine neue Theorie zur Erklärung von [Phänomen]" ist gut. "Wenn nicht klappt, machen wir Plan B" ist Sachbeihilfe-Sprache.
- Drei plausible Gutachter im Kopf vorab ausgewählt — und deren Schlüsselarbeiten im Stand der Forschung korrekt und positiv zitiert. Wer eine Koselleck-Vision verfolgt, ohne die drei führenden Köpfe im Feld zu erwähnen, wirkt isoliert.
- Sichtbare Eigenständigkeit. Koselleck ist Einzelantrag — keine "ich und meine Co-PIs"-Logik. Mitarbeiter ja, aber die Vision gehört einer Person.
Was Reviewer triggert.
- "Passt eher in Sachbeihilfe" — der häufigste Ablehnungsgrund. Entsteht, wenn die Vision fehlt und nur ein größerer Standardantrag dasteht.
- "Risiko ist Management-Risiko, nicht wissenschaftliches Risiko" — wenn das Risikokapitel von "Personal könnte abspringen" handelt.
- "Profil reicht nicht" — wenn die Begutachter aus Publikationen, Drittmitteln, Preisen, Berufungen und internationaler Resonanz keinen Grund für den besonderen Vertrauensvorschuss sehen.
- "Vision unkonkret" — wenn die "Paradigmenverschiebung" nach drei Lesungen noch immer schwammig ist.
- "Keine Innovation, nur Skalierung" — wenn das Projekt dasselbe wie die letzten drei Sachbeihilfen ist, nur mit mehr Personal.
- "Antragsteller könnte Heisenberg machen" — wenn die Karriere noch in Habilitations-Übergangsphase ist.
Schreibstil "Koselleck".
- Einleitung sehr ambitioniert — der erste Satz ist die Vision.
- Stand der Forschung als Konfliktlandkarte — wo stehen die Felder, welche Konfliktlinien gibt es, wo ist die Lücke, die der Antrag schließen will?
- Eigene Vorarbeiten als Linie, nicht als Liste — der Antragsteller hat seit Jahren auf das Vorhaben hingearbeitet.
- Hypothesen können breiter sein als bei Sachbeihilfe — aber prüfbar.
- Arbeitsprogramm in groben Phasen, nicht in Meilensteinen. "Phase 1 (Jahre 1-2): Aufbau Datenbasis" — nicht "M1.1: 12 Interviews in Monat 3".
- Risikokapitel ausführlich, mit Erkenntnisgewinn-im-Scheitern.
Antragslänge. Vordruckhinweise prüfen. Typisch 30 bis 40 Seiten Projektbeschreibung — mehr Raum als Sachbeihilfe.
Trade-off-Matrix
| Trade-off | Pfad A: Koselleck | Pfad B: Große Sachbeihilfe | Empfehlung |
|---|
| Detailgrad | Vision, Phasen | Arbeitsprogramm mit Meilensteinen | Nur Koselleck wenn Vision nicht in Standard passt |
| Antragsstellerprofil | außergewöhnlich sichtbar, mit starkem Drittmittel-/Publikationsprofil | Promotion + Vorarbeiten | Koselleck nur bei klar etablierter Position |
| Risiko-Begründung | wissenschaftlich produktiv | methodisches Risiko mit Plan B | Koselleck verlangt Vision-Risiko |
| Laufzeit | 5 Jahre fix | 1-3 Jahre flexibel | Koselleck nur bei langem Atem nötig |
| Geld | 500k-1.25m | typisch 200k-500k | Geldhunger allein rechtfertigt kein Koselleck |
| Begutachtungsdauer | 9-12 Monate | 6-9 Monate | Koselleck nur bei vorhandener Zeit |
| Erfolgswahrscheinlichkeit | niedriger (selektiver) | höher | Bei knappem Profil lieber Sachbeihilfe |
Schritt für Schritt
- Profil-Audit. GEPRIS-Suche aller eigenen Projekte. Publikationsprofil mit Impactfaktor und internationaler Resonanz. Berufungen, Preise, Editorships sammeln.
- Vorprojekte sammeln — welche DFG-/EU-/Stiftungsprojekte sind abgeschlossen, und was ist daraus sichtbar entstanden?
- Visions-Test. Lassen Sie Antragsteller die Vision in einem Satz mündlich erklären. Wenn nach drei Versuchen unklar — kein Koselleck.
- Risiko-Begründung schreiben als eigenständiges Kapitel — produktives Risiko, nicht Managementrisiko.
- Drei mögliche Gutachter identifizieren — deren Arbeit kennen und zitieren.
- Vorab Geschäftsstelle anrufen (Antragsteller selbst). Bei Koselleck ist das fast obligatorisch — die DFG-Fachgebietsleitung sagt offen, ob das Vorhaben Koselleck-tauglich aussieht.
- Abgrenzung zur Sachbeihilfe explizit schreiben — warum genau passt das Vorhaben nicht in normale Verfahren?
- Phasenmodell statt Meilenstein-Detail entwerfen.
- Red-Team durch zwei externe Kollegen aus dem Fach.
- Alternativ-Sachbeihilfe vorbereiten — falls Koselleck-Risiko zu hoch.
Mustertexte / Vorlagen
Visionssatz (Vorlage):
"Das Projekt entwirft [neues Paradigma / neue Theorie / neue Methode] zur Erklärung von [Phänomen X], indem es [methodischer Neuansatz] mit [theoretischem Rahmen] verbindet — mit dem Ziel, [Forschungsfeld] auf eine neue Grundlage zu stellen."
Risiko-Mitigations-Statement Koselleck-Stil (Vorlage):
"Das wissenschaftlich produktive Risiko des Vorhabens besteht darin, dass die zentrale Annahme H1 [konkrete Annahme] sich aus theoretischen Gründen aktuell nicht endgültig prüfen lässt. Sollte sie sich im Projekt als unhaltbar erweisen, ergibt sich aus den dann vorliegenden Daten ein neuer Erklärungsrahmen für [Phänomen Y], der für das Feld einen größeren Erkenntnisgewinn darstellt als die bloße Bestätigung von H1. Insofern ist auch das negative Ergebnis publikationsfähig und feldverändernd."
Abgrenzung zur Sachbeihilfe (Vorlage):
"Das Vorhaben passt aus drei Gründen nicht in das Verfahren der Sachbeihilfe: Erstens ist die zentrale Frage [Frage] nicht in einer dreijährigen Förderung beantwortbar, sondern verlangt einen Aufbau über mindestens fünf Jahre. Zweitens ist das methodische Risiko so beschaffen, dass ein detailliertes Arbeitsprogramm dem Charakter des Vorhabens widerspräche — die Methode entwickelt sich im Verlauf. Drittens setzt das Vorhaben eine Forschungslinie fort, die in den Vorprojekten [Projekt X, Y] etabliert wurde und nun in eine paradigmatisch neue Phase tritt."
Profil-Linie auf einer Seite (Vorlage):
"Seit der Promotion [Jahr] arbeitet [Antragsteller] kontinuierlich an [Forschungsfrage]. Die Vorarbeiten [Publikation 1] (Theorie), [Publikation 2] (Methodenentwicklung) und [Publikation 3] (Pilotstudie) belegen den Aufbau hin zur vorliegenden Vision. Im Projekt [DFG-Projekt 1, Az.] wurde [Erkenntnis X] erarbeitet, im Folgeprojekt [DFG-Projekt 2, Az.] [Erkenntnis Y]. Die jetzt vorgeschlagene Vision ist die logische, aber visionär-erweiterte Konsequenz dieser Linie."
Typische Fehler
- "Wir haben eine super Sachbeihilfe-Idee, lass uns Koselleck draus machen, dann gibt's mehr Geld" — die Begutachter merken das in 10 Minuten.
- Detailliertes Arbeitsprogramm mit 12 Meilensteinen — entwertet die Vertrauensvorschuss-Logik.
- Risiko-Kapitel als Liste von Personalrisiken — kein wissenschaftliches Risiko.
- Mehrere Co-Antragsteller — Koselleck ist Einzelantrag.
- Fehlender Vertrauensvorschuss wird als formales Muss verkleidet. Besser: offen prüfen, ob Track Record und Vision den besonderen Koselleck-Maßstab tragen.
- Vorprojekte nicht erwähnt — wirkt, als hätte Antragsteller den eigenen Track Record nicht im Kopf.
- "Kann auch in 3 Jahren laufen, falls Sie das wollen" — Laufzeit ist fix 5 Jahre.
- Vision als Modewort: "disruptiv", "transformativ" ohne Substanz.
Output
Koselleck-Ampel:
| Aspekt | Grün | Gelb | Rot |
|---|
| Profil | außergewöhnliche Linie, Spitzenpublikationen, sichtbare Drittmittel | starke Linie, aber noch wenig Vertrauen | Profil trägt Vertrauensvorschuss nicht |
| Vision-Klarheit | in 1 Satz formulierbar | in 3 Sätzen | unklar |
| Risiko-Logik | wissenschaftlich produktiv | gemischt | nur Management-Risiko |
| Abgrenzung zur SB | klar begründet | weich | nicht erkennbar |
| Stufe | 500k-1.25m angemessen | grenzwertig | unangemessen |
- Empfehlung Go / No-Go.
- Empfohlene Stufe (500k / 750k / 1.000k / 1.250k).
- Kernnarrativ auf einer Seite (Vision, Profil, Risiko, Abgrenzung).
- Fünf wahrscheinlichste Gutachter-Einwände mit Reparaturvorschlag.
- Alternative Sachbeihilfe-Route, falls Koselleck zu riskant.
Querverweise
- Programmstrategie:
dfg-foerderstrategie-schnell-oder-gross
- Formalia für die Antragsmechanik:
dfg-sachbeihilfe-elan-formalia
- Projektbeschreibung (anderer Stil als SB!):
dfg-projektbeschreibung-arbeitsprogramm
- Reviewer-Brille:
dfg-reviewer-red-team
Quellen Stand 05/2026
- DFG-Programmseite Reinhart-Koselleck-Projekte: dfg.de
- DFG-Hinweise Antragstellung: dfg.de
- GEPRIS (für Profil-Audit und Vergleichsfälle): gepris.dfg.de
- DFG-Verfahrensordnung — Antragsvoraussetzungen am Einreichtag live prüfen.
Bei Koselleck-Anträgen ist das vorbereitende Telefonat mit der DFG-Fachgebietsleitung besonders wichtig — sie geben offen Auskunft, ob das Vorhaben programmtauglich aussieht.