| name | code-of-practice-und-harmonisierte-normen |
| description | Verhaltenskodizes nach Art. 56 KI-VO und harmonisierte Normen nach Art. 40 KI-VO: Entwicklung Beteiligung Vermutungswirkung gemeinsame Spezifikationen Art. 41. Praktische Bedeutung fuer Compliance und Konformitaetsbewertung. |
Verhaltenskodizes und harmonisierte Normen — Art. 40 und 56 KI-VO
Zweck
Die KI-VO lässt wesentliche technische Details offen und überweist deren Konkretisierung an harmonisierte Normen und Verhaltenskodizes. Dieser Skill klärt, welche Bedeutung diese Instrumente für die Compliance haben.
Teil 1 — Harmonisierte Normen (Art. 40 KI-VO)
Was sind harmonisierte Normen?
Harmonisierte Normen sind europäische Normen (EN-Normen), die von den europäischen Normungsorganisationen CEN und CENELEC auf Mandat der Kommission entwickelt werden. Sie konkretisieren die Anforderungen der KI-VO technisch.
Vermutungswirkung
Wenn ein Hochrisiko-KI-System vollständig mit harmonisierten Normen übereinstimmt, die im Amtsblatt der EU veröffentlicht wurden, wird vermutet, dass das System die von den Normen abgedeckten Anforderungen der KI-VO erfüllt (Art. 40 Abs. 1 KI-VO).
Praktische Bedeutung:
- Compliance wird erheblich erleichtert: Normeinhaltung = Vermutung der KI-VO-Konformität
- Konformitätsbewertung kann auf Basis der Normen strukturiert werden
- Normung ist noch im Gange; nicht alle Anforderungen sind bereits durch Normen abgedeckt
Prüffragen:
- Für welche Anforderungen der KI-VO gibt es bereits harmonisierte Normen?
- Ist das System mit den einschlägigen harmonisierten Normen konform?
Stand der Normungsarbeiten (2025/2026)
CEN und CENELEC entwickeln derzeit ein Normenpaket zur KI-VO. Einzelne Normen werden schrittweise fertiggestellt und im Amtsblatt veröffentlicht. Bis dahin können Unternehmen bestehende internationale Normen (z.B. ISO/IEC 42001 — Managementsystem für KI) als Orientierung nutzen, auch wenn diese keine volle Vermutungswirkung nach KI-VO entfalten.
Teil 2 — Gemeinsame Spezifikationen (Art. 41 KI-VO)
Wenn harmonisierte Normen fehlen oder unzureichend sind, kann die Kommission Durchführungsrechtsakte erlassen, die gemeinsame Spezifikationen für die Anforderungen der KI-VO festlegen. Gemeinsame Spezifikationen haben ebenfalls Vermutungswirkung.
Prüffragen:
- Hat die Kommission für den relevanten Bereich gemeinsame Spezifikationen veröffentlicht?
Teil 3 — Verhaltenskodizes (Art. 56 KI-VO)
Für wen?
Verhaltenskodizes (Codes of Practice) sind für folgende Akteure relevant:
- Anbieter von GPAI-Modellen (mit und ohne systemisches Risiko)
- Anbieter von Hochrisiko-KI-Systemen (freiwillig)
- Betreiber von KI-Systemen mit minimalem Risiko (freiwillig)
Entwicklungsprozess
Das Europäische KI-Büro koordiniert die Entwicklung der Verhaltenskodizes. Anbieter von GPAI-Modellen werden aufgefordert, aktiv an der Entwicklung mitzuwirken.
Vermutungswirkung für GPAI-Anbieter
Wenn Anbieter von GPAI-Modellen einen genehmigten Verhaltenskodex einhalten, wird vermutet, dass sie die einschlägigen Anforderungen der KI-VO erfüllen (Art. 56 Abs. 8 KI-VO).
Prüffragen für GPAI-Anbieter:
- Haben Sie sich an der Entwicklung des Verhaltenskodex für GPAI-Modelle beteiligt?
- Haben Sie den Verhaltenskodex unterzeichnet?
- Welche Anforderungen deckt der Verhaltenskodex ab?
Freiwillige Verhaltenskodizes für andere Akteure (Art. 95 KI-VO)
Anbieter und Betreiber von KI-Systemen mit minimalem Risiko können freiwillig Verhaltenskodizes entwickeln und einhalten. Die Kommission fördert und erleichtert dies.
Praktische Empfehlung
Für die Compliance-Strategie empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Prüfen, welche harmonisierten Normen bereits veröffentlicht sind
- KI-System auf Basis verfügbarer Normen (auch ISO/IEC 42001) strukturieren
- Entwicklung harmonisierter Normen laufend beobachten und System anpassen
- Für GPAI-Modelle: Beteiligung am Verhaltenskodex-Prozess des Europäischen KI-Büros prüfen
Hinweis: Keine Rechtsberatung. Mechanische Prüfung anhand vom Nutzer behaupteter Tatsachen. Die KI-VO ist in Auslegung und Konkretisierung dynamisch; Leitlinien der Kommission und Durchführungsrechtsakte sind laufend zu beobachten.