| name | de-eu-recht-abgrenzung |
| title | Deutsches Recht und Unionsrecht — Abgrenzung |
| description | Klaert die Abgrenzung zwischen nationalem deutschen Recht und Unionsrecht: wann gilt AEUV/EUV/GRCh/Verordnung/Richtlinie unmittelbar, wann richtlinienkonforme Auslegung, wann Vorabentscheidungsersuchen Art. 267 AEUV und Anwendungsvorrang. |
| author | Klotzkette |
| author_url | https://github.com/Klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht/tree/main/subsumtions-pruefer/skills/de-eu-recht-abgrenzung |
| license | Apache-2.0 |
| version | 0.1.1 |
| execution_mode | open |
| jurisdiction | cross-jurisdiction |
| practice | constitutional |
| language | de |
Deutsches Recht und Unionsrecht — Abgrenzung
Zweck
Dieser Skill klärt, ob und in welchem Umfang Unionsrecht im konkreten Sachverhalt anzuwenden ist. Er unterscheidet Primärrecht (AEUV, EUV, GRCh), Sekundärrecht (Verordnungen, Richtlinien, Beschlüsse) und die Wechselwirkung mit nationalem Recht. Fehler bei dieser Abgrenzung führen regelmäßig zur Prüfung der falschen Norm.
Prüfungsschritte
Schritt 1 — Liegt ein unionsrechtlich geregelter Bereich vor?
Indizien für Unionsrechtsbezug:
- Grenzüberschreitender Sachverhalt (Personen, Waren, Dienstleistungen, Kapital)
- Erwähnung von DSGVO, Produkthaftungsrichtlinie, Verbraucherrechterichtlinie, KI-VO, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz mit EU-Bezug, Vergaberecht
- Tätigkeit einer EU-Institution oder Bezug auf EU-Fördermittel
- Diskriminierung aufgrund verbotener Merkmale (Art. 19 AEUV, Art. 21 GRCh)
Schritt 2 — Welche Rechtsquelle gilt?
| Rechtsquelle | Geltung | Wirkung |
|---|
| AEUV / EUV (Primärrecht) | Unmittelbar, Vorrang | Höchstrangiges Unionsrecht; verdrängt nationales Recht |
| GRCh Art. 51 | Gilt bei Durchführung von Unionsrecht durch Mitgliedstaaten | Grundrechte der EU; Parallelprüfung zu GG |
| EU-Verordnung (Art. 288 Abs. 2 AEUV) | Unmittelbar und direkt anwendbar | Kein nationaler Umsetzungsakt erforderlich |
| EU-Richtlinie (Art. 288 Abs. 3 AEUV) | Nach Umsetzungsfrist; richtlinienkonforme Auslegung | Kein Horizontaleffekt zwischen Privaten (Grundsatz); Ausnahmen bei staatlicher Maßnahme |
| Beschlüsse | Nur für Adressaten verbindlich | Einzelfall |
Schritt 3 — Anwendungsvorrang
Der Anwendungsvorrang des Unionsrechts (EuGH, Rs. 6/64 — Costa/ENEL; Rs. 106/77 — Simmenthal) bedeutet: Entgegenstehendes nationales Recht wird nicht nichtig, aber im Kollisionsfall unangewendet gelassen. Nationale Gerichte sind verpflichtet, nationales Recht unionsrechtskonform auszulegen und im Kollisionsfall Unionsrecht anzuwenden.
Wichtig: Der Anwendungsvorrang gilt nicht gegenüber dem GG-Kern (Ewigkeitsgarantie Art. 79 Abs. 3 GG) — BVerfG, Solange II; Lissabon-Urteil.
Schritt 4 — Richtlinienkonforme Auslegung
Bei Richtlinien, die noch umzusetzen sind oder deren Umsetzungsfrist abgelaufen ist:
- Rechtsprechung live prüfen: Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.