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Rechtsprechung live prüfen: Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
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Vorgehen
Schritt 1: Mitbestimmungstatbestände bei BAV — Systematischer Überblick
Mitbestimmungspflichtig ist die Aufstellung allgemeiner Beurteilungsgrundsätze und der Lohngestaltung. BAV als lohnergänzende Leistung fällt unter Nr. 8, soweit sie kollektiv geregelt wird.
Mitbestimmungspflichtig:
Einführung eines neuen Versorgungswerks (kollektiv)
Änderung der Leistungsstruktur (Rentenformel, Wartezeiten)
Verteilung von Arbeitgeber-Beiträgen auf Arbeitnehmer (Entgeltumwandlung-Rahmenvereinbarung)
Abschluss von Gruppenversicherungsverträgen (Direktversicherung als kollektive Lösung)
Nicht mitbestimmungspflichtig:
Entscheidung ob BAV überhaupt angeboten wird (unternehmerisches Ermessen)
Nr. 10 erfasst ausdrücklich "Fragen der betrieblichen Altersversorgung". Hierunter fallen:
Änderungen der Versorgungsordnung
Wechsel des Durchführungswegs
Einführung/Abänderung von Entgeltumwandlungssystemen
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Schritt 2: Einigungsstellenverfahren
Kommt es zu keiner Einigung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat, kann jede Seite die Einigungsstelle anrufen (§ 76 Abs. 2 BetrVG).
Zusammensetzung Einigungsstelle:
Vorsitzender: Einvernehmlich bestellt oder vom Arbeitsgericht bestimmt (§ 76 Abs. 2 S. 2 BetrVG); typischerweise Richter am BAG oder erfahrener Arbeitsrechtler (nicht von Treuenfels Yamamoto, um Neutralität zu wahren)
Beisitzer: Je [X] Beisitzer von Arbeitgeber und Betriebsrat (üblicherweise drei je Seite bei komplexen BAV-Verfahren)
Kosten: Arbeitgeber trägt Kosten der Einigungsstelle (§ 76a BetrVG)
Verfahren:
Antrag auf Einsetzung Einigungsstelle (Formlosigkeit, Begründung empfohlen)
Spruch der Einigungsstelle (mit einfacher Mehrheit inkl. Vorsitzender)
Bindungswirkung des Spruchs: Spruch der Einigungsstelle ersetzt Einigung der Betriebsparteien; wirkt wie Betriebsvereinbarung (§ 76 Abs. 5 S. 3 BetrVG).
Überprüfungsmaßstab: Spruch muss billiges Ermessen wahren (§ 76 Abs. 5 S. 4 BetrVG); Gerichte überprüfen den Spruch auf Überschreitung des billigen Ermessens (LAG Düsseldorf — ständige Rechtsprechung).
Eigene Beisitzer aus BAV-erfahrenen Arbeitgeberpraktikern
Sachverständige: Aktuarielle Bestätigung des Einsparpotenzials; Wirtschaftlichkeits-Gutachten
Templates
Template 1: Informationsschreiben an Betriebsrat (§ 80 Abs. 2 BetrVG)
[BRIEFKOPF KONZERN MUSTER AG]
An den Betriebsrat der [Konzern Muster AG]
z.H. Herrn/Frau [BR-Vorsitzende/r]
Betreff: Information gem. § 80 Abs. 2 BetrVG — Geplante Änderung Versorgungsordnung
Sehr geehrte/r Herr/Frau [Name],
wir informieren Sie hiermit gem. § 80 Abs. 2 BetrVG über folgende geplante
Maßnahme zur betrieblichen Altersversorgung:
[Beschreibung der geplanten Maßnahme]
Beigefügt übersenden wir folgende Unterlagen zur Vorbereitung der Beratung:
Anlage 1: Aktuelle Versorgungsordnung in geltender Fassung
Anlage 2: Entwurf geänderte Versorgungsordnung mit Änderungsmarkierungen
Anlage 3: Aktuarielles Gutachten (IAS 19, HGB) — Kostenfolgen der Maßnahme
Anlage 4: Wirtschaftliche Kennzahlen des Unternehmens (letzte drei Jahre)
Wir laden Sie zu einem Informationsgespräch ein am:
[Datum, Uhrzeit, Ort]
Für Rückfragen steht Ihnen Herr/Frau [Name HR] und unser Rechtsberater
Prof. Dr. Adalbert von Sompeh-Ostermann (Treuenfels Yamamoto) zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
[Geschäftsführung]
GESCHÄFTSORDNUNG DER EINIGUNGSSTELLE
zur betrieblichen Altersversorgung
der [Konzern Muster AG]
§ 1 Zusammensetzung
Die Einigungsstelle besteht aus:
- [Name], Vorsitzende/r (unparteiisch, von Parteien einvernehmlich bestimmt)
- Arbeitgeberseite: [drei Beisitzer mit Namen]
- Betriebsratsseite: [drei Beisitzer mit Namen]
§ 2 Verhandlungsgegenstand
Streitfrage: [Genaue Bezeichnung der BAV-Frage, z.B. Änderung § 9 Versorgungsordnung]
Rechtliche Grundlage: § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG
§ 3 Sitzungsplan
Konstituierende Sitzung: [Datum]
Informationssitzung 1 (Sachverständige): [Datum]
Informationssitzung 2 (Parteien): [Datum]
Beratungssitzung: [Datum]
Spruch: [Datum — spätestens]
§ 4 Sachverständige
Beiden Seiten steht es frei, eigene Sachverständige zu benennen (Kostentragung
gem. § 76a BetrVG durch Arbeitgeber, soweit üblich).
§ 5 Beschlussfassung
Der Spruch der Einigungsstelle ergeht gem. § 76 Abs. 3 BetrVG mit einfacher
Mehrheit der Mitglieder. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden
den Ausschlag.
SPRUCH DER EINIGUNGSSTELLE
gem. § 76 Abs. 3 BetrVG
in der Angelegenheit:
[Konzern Muster AG] — Änderung der Versorgungsordnung
Vorsitzender: [Name]
Beisitzer Arbeitgeberseite: [Namen]
Beisitzer Betriebsratsseite: [Namen]
Die Einigungsstelle hat in der Sitzung vom [Datum] folgenden Spruch gefasst:
§ 1 Die Versorgungsordnung [Bezeichnung] wird mit Wirkung zum [Datum] wie folgt
geändert: [Regelungstext]
§ 2 Besitzstandsschutz: Bereits erdiente Anwartschaften gem. § 2 BetrAVG
bleiben unverändert (§§ der Versorgungsordnung [X] bis [Y] in bisheriger Fassung).
§ 3 Inkrafttreten: Dieser Spruch tritt als Betriebsvereinbarung am [Datum]
in Kraft und ersetzt insoweit die bisherige [Versorgungsordnung/BV].
[Ort], den [Datum]
[Vorsitzender — Unterschrift]
[Beisitzer — Unterschriften]
Fallstricke
Rechtsprechung live prüfen: Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Zuständigkeit Gesamt-/Konzernbetriebsrat: Falsche Zuständigkeit führt zur Unwirksamkeit der Betriebsvereinbarung. Sorgfältige Prüfung vor Aufnahme der Verhandlungen. Konzernbetriebsrat nur bei zwingend konzerneinheitlichem Regelungsbedarf (§ 58 Abs. 1 BetrVG).
Informationspflicht § 80 Abs. 2 BetrVG vor Maßnahme: Maßnahmen ohne vorherige vollständige Information des Betriebsrats können als mitbestimmungswidrig eingestuft werden — auch wenn die Maßnahme inhaltlich rechtmäßig wäre.
Kosten der Einigungsstelle: Arbeitgeber trägt alle Kosten inkl. Sachverständigenkosten des Betriebsrats (§ 76a BetrVG). Bei komplexen BAV-Verfahren mit Spezialsachverständigen können die Kosten erheblich sein. Budget einplanen.
Querverweise zu anderen Skills
→ drei-stufen-theorie-eingriffsanalyse — Eingriffsanalyse als Grundlage Verhandlung
→ harmonisierung-und-migration-rechtssicher — Mitbestimmungsphase der Harmonisierung
→ kollektivrechtliche-loesungen-und-sozialplan — Sozialplan parallel zur BV
→ versorgungsordnung-und-betriebsvereinbarung-drafting — Ergebnisdokumentation in BV
Ergaenzende Rechtsprechung (v14.2)
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